EURIBOR-Reform

Seit mindestens 2013 haben Politik, Bankenaufsicht, Zentralbanken und Bankenverbände weltweit Prozesse initiiert, um Referenzzinssätze (LIBOR, EURIBOR usw.), welche die Zinsgrundlage variabel verzinster Kapitalmarktprodukte wie Kredite, Derivate und Anlageprodukte bilden, grundlegend zu überarbeiten. Ziel war es, die während der Finanzmarktkrise deutlich gewordenen Nachteile der bestehenden Referenzzinssätze, wie Manipulationsanfälligkeit und Instabilität in Krisensituationen, auszumerzen. Im Jahr 2016 wurde die Verordnung (EU) 2016/1011 („EU-Benchmarkverordnung“) veröffentlicht, die zum 01.01.2018 europaweit in Kraft trat. Danach dürfen zukünftig nur noch Referenzzinssätze in Finanzprodukten verwendet werden, die robust, zuverlässig, repräsentativ und nicht manipulierbar sind. Nach einem Übergangszeitraum von zwei Jahren dürfen ab 01.01.2020 nur noch Referenzzinssätze verwendet werden, die diese Voraussetzungen erfüllen.

Insbesondere bei allen zukünftigen Geschäftsabschlüssen mit EURIBOR-, LIBOR- oder EONIA-Bezug sollten die Risiken im Vorfeld genau geprüft werden. Nach Möglichkeit sollten neue Verträge bereits unter Berücksichtigung von Fall-back Lösungen für den dauerhaften Wegfall von Referenzzinssätzen abgeschlossen werden, die auch die Interessen der Kundenseite berücksichtigen.

Zudem empfiehlt es sich, Nachtragsempfehlungen der Banken für bestehende Verträge juristisch und wirtschaftlich genau zu prüfen, um weder einer versteckten Margenerhöhung leichtfertig zuzustimmen, noch unbeabsichtigt neue Risiken in Kauf zu nehmen. Bei variabel verzinsten Krediten könnte sich zur Reduzierung von zukünftigen Risiken – nicht zuletzt aufgrund der jahrelangen Niedrigzinsphase – ggf. ein vorzeitiger Tausch bestehender variabel verzinslicher Darlehen in einen klassischen Festzinskredit anbieten. Evtl. gebildete Bewertungseinheiten könnten dann aufgelöst werden. Bei anderen Geschäften, wie Zinsswaps, die aufgrund der bisherigen Zinsentwicklung ggf. negative Barwerte aufweisen, braucht es andere Lösungen. Eine pauschale Empfehlung ist jedoch nicht möglich. In jedem Fall sollten Kapitalmarktteilnehmer ihre Finanzinstrumente und vertraglichen Vereinbarungen auf mögliche Risiken des Wegfalls bestehender Referenzzinsvereinbarungen untersuchen und sich entsprechend vorbereiten.

Mehr dazu erfahren Sie auch unter: www.sachsen-am.de/euribor-reform/

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